Ihr Biohof in Kürten

Wirklich mal wieder NEUIGKEITEN!!!

vom 30.08.10 - 01:06 Uhr




Bestimmt kennen Sie alle dieses Phänomen: 
man benutzt nicht oft bestimmte Computer-Anwendungen und muß sich dafür erst wieder einlesen und weil man dazu keine gesteigerte Lust hat, verschiebt man es. Und so kommt es, daß Sie wie ich immer noch auf den zugefrorenen Teich schauten und dabei sind mittlerweile die Sommerferien vorüber. Ich gebe zu, während der Hitzewelle war mir der Anblick des Eiswassers nicht unangenehm, nein, fast erfrischend und wenn ich jetzt noch ein bischen warte, paßt dieses Bild vermutlich auch wieder!

Aber heute habe ich mich überwunden, einen neuen Text einzustellen und so will ich die letzten Monate Revue passieren lassen. Sonst habe ich Ihnen immer wieder mal "Liebes-"Briefe mit den Abo-Kisten ausgeliefert und vermutlich hat das nicht jeden interessiert. Heute stelle ich solch einen offenen Brief ein und wer mag, kann hier nachlesen, wie das Jahr bisher verlaufen ist.

An diesen sehr kalten und sehr schneereichen und sehr langen Winter werden wir uns alle noch lange erinnern. Die Auslieferungstouren stellten uns vor extreme Anforderungen, denn zum einen mußte Sie das Gemüse ohne Frostschäden erreichen und zum anderen mußten wir "durchkommen", was nicht immer einfach war. Zum Schutz gegen die Kälte wärmten wir das Auto vor den Touren mit Heizlüftern an und legten Decken über alle Kisten, um ein bischen die Wärme zu halten und teilweise hatten wir zum Ausliefern Schaufeln, Sand und Salz dabei und mußten einige Male davon Gebrauch machen. Zum Schluß ging es dann aber doch irgendwie. Aber auch im Betrieb selbst gab es große Probleme. Der Feldsalat war fest gefroren und wir konnten nichts ernten und genau so natürlich der Porree und alles, was wir noch auf dem Feld stehen hatten. Als es dann endlich wärmer wurde und langsam alles wieder auftaute, mußten wir feststellen, daß Porree und Feldsalat erfroren waren. Zurück blieben nur die matschigen Überreste!

Probleme gab es auch mit den Tieren. Bei diesen tiefen Temperaturen -wir hatten nachts Minus 20 Grad- friert bei uns sofort das Trinkwasser ein und wir mußten immer wieder frisches Wasser bringen. Die Hühner bekommen ab Minus 3-4 Grad Erfrierungen an den Kämmen und wir stellten Radiatoren in ihre Ställe, um sie wenigstns frostfrei zu halten. Bis Minus 10 Grad soll den Ziegen nichts anhaben können, aber dann wird es schwierig und so bauten wir unsere Stallungen, die nur an 3 Seiten geschlossen sind und eine offenen Stallseite haben, provisorisch zu mit doppelter Noppenfolie, die wir auf Holzrahmen zogen.

Damit hatten wir den Ziegen und auch den Pferden geholfen, aber dafür schwitzten die Schafe in ihrer dicken Wolle! Und wir hatten jede Menge Schwitzwasser in den Ställen, das von der Decke auf die Tiere tropfte. Als uns im Februar eine Ziege erkrankte und binnen zwei Tagen einging, führten wir es auf dieses Schwitzwasser zurück und dachten, das Tier hätte eine Lungenentzündung bekommen. Auch die Tierärztin sah es so. Aber kurz danach wurde ein Altschaf krank und binnen zweier Tage starb es, obwohl die Tierärztin auch dieses Mal Antibiotikum spritzte. Für die  kranken Tieren hatten wir einen kleinen Bereich in unserem Hausflur abgetrennt, mit Folie unterlegt und dick Stroh aufgeschüttet, damit die Tiere es wenigstens warm hatten und wir sie jederzeit im Blick hatten. Aber kaum hatten wir das tote Mutterschaf hinaus geschafft, mußten wir ein Lämmchen zu uns holen und auch das schaffte es nicht und wir konnten es nur tot aus unserem Haus tragen. Drei tote Tiere innerhalb weniger Tage trotz Tierarztbehandlung ließen unsere Gedanken kreisen. Was war der Grund? 

Wir brachten das tote Lamm nach Krefeld, wo es veterinärmedizinisch untersucht wurde und nach wenigen Tagen kannten wir die Todesursache: Listerien aus der Heusilage. Mittlerweile war uns noch ein Lämmchen eingegangen und ein weiteres Mutterschaf erkrankt. Eine zweite Untersuchung ergab ebenfalls Listerien als Todesursache und wir mußten unsere Heusilage tauschen gegen gutes Heu. In der etwas feuchten Heusilage hatten sich diese Listerien entwickelt und in völlig trockenem Heu kann das nicht passieren. So waren wir sehr froh, daß es kurz vor Wipperfürth einen Bioland-Betrieb gab, der unsere Heusilage Ballen für seine Rinder nahm und uns im Tausch dafür Heuballen gab. Ab dem Futterwechsel hatten wir kein krankes Tier mehr im Stall und waren überglücklich. Trotzdem schmerzte uns der Verlust von fünf Tieren in 3 Wochen sehr und auch unsere Nerven und unsere Kraft hatten in diesen drei Wochen stark gelitten.

Wenn wir Ihnen die Gemüsekisten bringen, ahnen Sie nicht, was bei uns so nebenbei abläuft, aber vielleicht kann der eine oder andere jetzt verstehen, warum wir manchmal etwas vergessen haben oder nicht immer alles rund lief oder... Die psychische Belastung in solchen Situationen ist einfach enorm. Mir fällt es schon allein schwer, mich in mein warmes Bett zum Schlafen einzukuscheln, wenn ich das Gefühl habe, unsere Tiere frieren im Stall und dann soll ich ruhig schlafen? Um so schlimmer, wenn ein Tier krank ist und wir alles versuchen, aber nichts zu einem Erfolg führt und wir eins nach dem anderen nur tot hinaustragen können. Es ist Horror.

Endlich wich der Frost und normalerweise können wir den März nutzen, um Zäune zu reparieren, den Rhabarber und den Kräutergarten zu unkrauten und auf Vordermann zu bringen und alles für das Frühjahr vorzubereiten. Dieses Jahr war das nicht möglich, da es Wochen dauerte, bis der Frost aus dem Boden war und wir konnten nichts vorbereiten. Mit Müh und Not und gutem Zureden pflanzten wir Mitte März Salate, Kohlrabi und Kräuter in die Gewächshäuser, aber das war`s dann auch. Die Luft wollte sich nicht richtig erwärmen und die Pflanzen wollten nicht wachsen. Draußen war es naß ohne Ende und wir konnten erst Mitte April pflügen.

Da standen die Jungpflanzen für das Freiland bereits zwei Wochen in ihren Kisten und wir konnten sie nicht pflanzen, weil es zu naß und zu kalt war und sie wurden lang und länger - überständig sagen die Gärtner. Auch das Gras wuchs nicht auf den Wiesen und die Tiere mußten wir lange im Stall füttern, weil sie draußen kein Futter fanden.

Dafür flog meine Tochter mit Freund Ende März für einige Monate nach Indien und Nepal. Sie hatte nach dem Abitur verschiedene Jobs erhalten und alles Geld gespart für ihre Reise und in den Internet-Cafes stellten die beiden ihre Reiseberichte samt Photos ins Netz. Jeden Abend vor dem Schlafen gehen las ich die neuen Berichte und träumte mich nach Indien und Nepal. Trotzdem ist man als Mutter immer in Sorge und wenn das Klingeln von "skype" ertönte, stürzte ich zum Computer, um das Gespräch anzunehmen und genoß die Möglichkeit des kostenlosen Telefonierens via Satelit über dieses Computerprogramm. Über deren angeschlossene web-cam konnte ich meine Tochter während des Telefonierens sogar sehen.
Computer sind einfach großartig und beängstigend zugleich.

Der Mai war ein spannender Monat.

Direkt zu Anfang feierten wir unser Hoffest: 25 Jahre lang führe ich nun diese Gärtnerei und das wollten wir feiern. Die Vorbereitungen dazu nahmen uns schon Wochen vorher in Anspruch und die Stoßgebete zum Wettergott wurden immer heftiger, je näher das Fest rückte. Als der Regen nicht enden wollte, liehen wir uns Zelte und Pavillions und bauten alles auf, doch pünktlich zur Hofführung ließ der Regen nach und unser Fest konnte bei strahlendem Sonnenschein stattfinden.

So viele von Ihnen besuchten uns in Oberbörsch und wir haben uns über jeden von Ihnen riesig gefreut. Traurig wäre es gewesen, wenn wir wochenlang Vorbereitungen getroffen hätten und auf kein Interesse gestoßen wären, aber ich weiß, daß Sie alle sich uns verbunden fühlen und ich möchte mich an dieser Stelle bei Ihnen bedanken für Ihr Interesse an dieser Gärtnerei und Ihrer Verbundenheit. Nur zu gerne machen wir den Rücken krum für Menschen, die das honorieren. Danke Ihnen allen für Ihren Besuch und Ihre Unterstützung.

Das Hoffest war wunderschön - so empfand ich es jedenfalls und ich habe einige Photos gemacht, die ich Ihnen gerne zeigen möchte. Mein Computer-Freak wird in den nächsten Tagen einen Unter"Button" erstellen unter dem Begriff "Events" oder "Bilder", ich weiß heute noch nicht genau, wie er ihn nennen wird, aber dort werde ich dann alle meine Photos einstellen und wenn Sie sich selbst wiederfinden und Interesse haben an dem einen oder anderen Bild, kann ich es Ihnen gerne per mail zuschicken. Sagen Sie mir nur, welches Bild Sie gerne hätten - dies ist wieder Teil des großartigen Computers und seiner Möglichkeiten!

An dieser Stelle muß ich nun endlich berichten vom "Schätzen des Hähnchen-Gewichtes".  

- Fortsetzung folgt morgen.