Ihr Biohof in Kürten

Unsere Lippegänse

Im Sommer 2008 wollte eine Freundin von uns drei junge Lippegänse verkaufen.

Wir wußten bis dahin nur, daß Lippegänse in der roten Liste unter Kategorie I -extrem gefährdet- aufgeführt werden und wir brauchten nicht lange zu überlegen. Die Gänse zogen um nach Oberbörsch.

Anfangs hatten sie etwas Probleme sich an ihre neue Umgebung zu gewöhnen und unternahmen mehrere Flugversuche, doch wir konnten sie wieder einfangen. Hatten sie sich dann eingelebt, wurden sie ruhiger und seitdem stehen sie immer mit beiden Beinen auf dem Boden!

Nun fehlten uns aber die entsprechenden Ganter für unsere Damen.

Gab es früher Zehntausende Lippegänse, nahmen die Bestände vor allem wegen billigen Importgänsen seit den 50er Jahren stetig ab und nur in einer Familie im Kreis Soest überlebte diese Gänserasse, denn schon die Eltern hielten sie und auch die Großeltern,  die Urgroßeltern und so weiter. Im Jahr 2007 waren die Bestände immerhin wieder auf 35 Brutpaare angewachsen, aber was sind weltweit 35 Paare einer Rasse?

1999 hat sich der Verein "Stammbuch Lippegans" gegründet, der sich dem Erhalt dieser gesunden, frohwüchsigen und anspruchslosen Gänserasse verschrieben hat. Der Verein führt ein genaues Bestandsregister und dort erfragten wir, welche Ganter denn wohl am besten zu unseren Gänsen passen könnten, um den Inzuchtfaktor möglichst gering zu halten. Das Freilichtmuseum Detmold sowie die "Stammfamilie" konnten uns geeignete Ganter bieten und der Sonntagsausflug war perfekt. Zwei reinweiße und einen leicht gescheckten Ganter brachten wir nach Hause, hatten wir selbst eine gescheckte und zwei weiße Gänse. Die vier weißen Tiere erhielten ein Gehege und das gescheckte Paar setzten wir separat.

Im Frühjahr 2009 legte eine weiße Gans fleißig Eier und begann zu brüten, aber wir vermuten, daß sie nicht genug Ruhe hatte, da wir die Gänse zusammen mit den Pommernenten und einigen Schlotterkamm-Hühnern hielten. Oder war es der starke Kälteeinbruch während der Brutzeit? Die Gans saß jedenfalls lange auf den Eiern, aber es schlüpften keine Gänschen. Eigentlich hatten wir erwartet, daß sich noch die zweite Gans ans Brutgeschäft begeben würde, aber gefehlt. Kein weiteres Tier begann Eier zu legen. Vielleicht haben wir ja nur eine Gans und drei Ganter? Die Geschlechterbestimmung bei Gänsen ist nicht ganz einfach und bald lassen wir mal einen Fachmann nachschauen!

 

Aber unser geschecktes Gänsepaar brütete 6 Gössel aus, von denen 4 groß wurden. Waren Gans und Ganter bis dahin nicht besonders schwierig in der Haltung, lernten wir nun den Ganter richtig kennen. Wehe, wir näherten uns der brütenden Gans oder später der ganzen Familie! Dann wurde er zur Furie und ging zischend und mit ausgebreiteten Flügeln auf uns los. Ich hielt mich gerne zurück und überließ meinem Mann die Fütterung.

 

 








Mittlerweile sind aus den Gösseln richtige Gänse geworden und wir erwarten mit Spannung die Beurteilung und Bewertung auf der Lippegans-Show bei Lippstadt Ende September, wo wir unsere mittlerweile 10 Tiere vorstellen werden. Vielleicht können wir die Jungtiere abgeben an andere Züchter, um zur weiteren Verbreitung der Lippegänse beizutragen.

 

 

 

 


 

 

 

Am 26.9.09 fand das diesjährige Treffen der Stammbuchschau der Lippegänse auf einem Bauernhof bei Soest statt

 

Wir wurden sehr lieb und freundlich von den anderen Mitgliedern empfangen und konnten uns vorher unter der Stammbuchschau nichts Genaues vorstellen, aber nun gab es erst einmal Arbeit. Einzeln wurden die Tiere angemeldet, ihre Ringnummern wurden mit den Daten in den Papieren überprüft und dann wurden sie in einen Sack gesteckt, samt Sack an eine Waage gehängt und so wurde ihr Gewicht ermittelt.

Weiter ging´s zur Geschlechterbestimmung und nun wissen wir zweifelsfrei, daß unsere Gans, die keine Eier legte, ein Ganter ist. Auch bei den anderen Alttieren wurde das Geschlecht bestimmt und noch ein zweites Tier wurde von zwei Fachleuten begutachtet. Es handelte sich ebenfalls um einen Ganter, aber es gab Probleme. Das Geschlechtsteil der Männchen zeigt sich normalerweise geringelt mit einer Spitze am Ende zum Einführen. Bei diesem Ganter war diese Spitze nicht vorhanden. Nun wird vermutet, daß er die Gans deckte und dabei von den anderen zwei Gantern aus Eifersucht von der Gans gescheucht wurde und sich dabei diese Spitze abgerissen hatte. Er ist jedenfalls nicht mehr deckfähig. Das war eine traurige Nachricht. Nun wollte ich dieses Tier aber nicht für den restlichen Tag alleine ins Auto setzen und beschloß, ihn zu den anderen in einen der Käfige zu setzen, damit er nicht alleine ist und frische Luft zum Atmen bekommnt, denn die Vereinsmitglieder hatten auf einer Wiese Drahtkäfige aufgebaut und alle Gänse konnten dort bewundert werden, vor allem aber konnten die drei Preisrichter die Tiere von allen Seiten in Augenschein nehmen.

Die Beurteilung der Gänse dauerte etwa 3 Stunden. In dieser Zeit saßen wir Besitzer abseits, um die Prüfer nicht mit unseren Kommentaren zu stören. Es gab viele interessante Gespräche und ein leckeres Mittagessen.

 

Spannend wurde es dann bei der Preisverteilung und wir wollten unseren Ohren nicht trauen, als wir uns mit einer Gans und einem Ganter jeweils auf dem 1. Platz wiederfanden. Und welcher Ganter hatte den 1. Platz im Schönheitswettbewerb gewonnen? Natürlich der, der nicht mehr deckfähig ist!!! Er wird garantiert der schönste Weihnachtsbraten.

Aber eine unserer Gänse wurde auch sehr gut bewertet und das ist für uns mindestens der Ansporn weiter zu machen!