Ihr Biohof in Kürten

Unsere Cröllwitzer Puten

Wenn Sie ganz schreckliche Bilder sehen wollen, suchen Sie bitte in google unter "Putenmast". Es gibt mehrere Beiträge, die das Grauen der Putenmast zeigen. Leider unterstützt jeder, der normales Putenfleisch verzehrt, diese Art von Tierquälerei.

 

Doch nun zu den Puten aus Oberbörsch:

Immer schon hatten wir die schönen Cröllwitzer Puten im Auge, wußten aber, daß ihre Haltung schwierig ist. Die Tiere können sich mit der sogenannten Schwarzkopfkrankheit infizieren, die vor allem von Hühnern, aber auch von Regenwürmern übertragen werden kann. Es sollte deshalb streng darauf geachtet werden, Puten nicht gemeinsam mit Hühnern zu halten.

Nachdem im letzten Jahr der "Biobetrieb Robert´s", jahrelanger Lieferant von "Bio-Geflügel", des Betrugs überführt wurde -er hatte seine Tiere mit konventionellem Futter gefüttert-, stand für uns fest, es selbst mit den Puten versuchen zu wollen. In der konventionellen Putenmast wird eine hochgezüchtete Putenrasse gehalten, die ähnlich wie die Hühner bei der Hühnermast sehr schnell sehr viel Fleisch ansetzt. Diese Tiere bringen ausgeschlachtet 20kg auf die Waage. Solche Hochzuchttiere kamen für uns nicht in Frage.

Die Cröllwitzer Puten gehören heute auch zu den vom Aussterben bedrohten Haustierrassen, denn sie sind sehr viel kleiner und damit nicht wirtschaftlich. Ein Cröllwitzer Hahn hat ein Lebendgewicht von 6-8kg, die Henne von 4-5kg. Solche Tiere sollten es sein, denn sie sind robust und für unsere Freilandhaltung geeignet. Und sie sehen sehr schön aus. Wir fanden keinen Bio-Betrieb, der uns hätte Tiere verkaufen können und so fuhren wir nach erteilter Ausnahmegenehmigung in den Harz, um dort von einem privaten Putenzüchter 2 Hennen und einen Hahn zu erstehen. Zu Hause hatten wir eine Fläche für sie ausgesucht, auf der wir vorher junge Ziegenböckchen, aber noch nie Hühner gehalten hatten und wir hatten den Zaun stark erhöht, da Puten gute Flieger sind. Die Umgewöhnung gelang problemlos und im April begannen die Hennen mit dem Eier legen. Wir freuten uns sehr und beobachteten die Hennen, die aber keine Anstalten machten, sich auch auf die Eier setzen zu wollen.

Also legten wir 10 Puteneier in die Brutmaschine. Putenküken fressen ihren Eltern alles nach und können verhungern, wenn sie keine anderen Tiere dabei haben, denen sie das Fressen abgucken können. Deshalb legten wir 5 Tage später noch etliche Hühnereier dazu. Puteneier werden 4 Wochen bebrütet, Hühnereier nur 3 Wochen und durch das spätere Nachlegen der Hühnereier schlüpften die Hühnerküken einen Tag vor den Puten, von deren 10 Eiern wir 8 kleine Puten bekamen. Die ersten Tage verbrachten alle Küken gemeinsam in einem Aquarium. Die Rotlichtlampe wärmte sie und unsere Puten begannen tatsächlich, es den Hühnchen gleich zu tun und pickten ihr Futter und tranken das Wasser. Bis jetzt hatte sich alles in unserer Küche abgespielt, so daß wir immer alles gut beobachten konnten und natürlich auch alle Freunde, die uns in dieser Zeit besuchten. Aber bald zogen die kleinen Tierchen um in einen warmen, zugluftfreien Stall und sie wuchsen gut. Mittlerweile hatten sich unsere Hennen auch auf ihre Gelege gesetzt. Puten brüten sehr gut und zuverlässig und sogar der Hahn hatte sich nicht vor der Arbeit gedrückt: verließ eine Henne ihr Nest, um zu fressen oder zu trinken, setzte er sich solange auf die Eier und half auf seine Weise mit beim Brüten! Trotzdem waren die Eier in einem Gelege faul, aber die andere Henne brütete nochmals 6 Küken aus und beide Hennen teilten sich in die Aufzucht. Unter den Federn beider Hennen guckten uns die kleinen Putchen an. Beeindruckt von so viel Fürsorge setzten wir unsere 8 anderen Küken zu den Alttieren und auch diese kleinen wurden sofort angenommen und durften fortan unter den Hennen sitzen.


Nun haben die Puten die Angewohnheit "aufzubaumen", d.h. in der Natur fliegen sie abends in die Äste von Bäumen, um dort vor Raubtieren geschützt zu übernachten. Deshalb hatten wir ihnen ein stabiles Brett im Stall eingebaut, auf das sie fliegen konnten zum Übernachten. Leider hatten wir dieses Brett nicht abgeschraubt, nachdem die Küken geschlüpft waren. Während die Hennen auf dem Boden hocken blieben mit den Küken unter ihrem Gefieder, flog der Hahn zum Schlafen auf sein Brett. Nun fanden wir an drei Tagen morgens je ein totes Küken, ohne uns den Grund erklären zu können, hatten jedoch das Gefühl, daß sie etwas plattgedrückt aussahen. Und da dämmerte es uns. Wenn der schwere Hahn morgens von seinem Schlafplatz wieder auf den Stallboden flog, landete er unbeabsichtigt auch schon mal auf einem Küken und drückte es tatsächlich platt. Sofort bauten wir das Brett ab und seit diesem Tag hatten wir keine Ausfälle mehr bei den Küken, alle 11 sind mittlerweile groß geworden und erfreuen uns täglich mit ihrem Anblick. Solange die Küken sehr klein waren, hatten wir ein Stück Auslauf mit Netz überspannt, damit uns nicht Krähen oder Raubvögel die Küken klauen.

 

Mittlerweile laufen sie aber im ganzen Auslaug herum und nicht nur das: fliegen können sie alle gut und so fliegen sie gerne auf das obere Zaunbrett und schauen sich die Gegend an oder sie fliegen auf das Dach ihres Stalles und gucken von dort. Und natürlich fliegen sie auch auf die andere Seite ihres Auslaufes, spazieren in der Gärtnerei herum und fliegen dann wieder zurück in ihr Gehege!

 

Im Vordergrund der stolze Papa!

Einige unserer Jungtiere sind sehr schön, sehr typisch gezeichnet, andere sind reinweiß ausgefiedert und zu Weihnachten werden wir diese weißen schlachten und können Ihnen 100%ige Bio-Puten anbieten. Die schönen werden wir an andere Betriebe abgeben (oder behalten!), um unseren Teil beizutragen zur Erhaltung dieser tollen Rasse.

All unsere Tiere dienen uns auch für Verhaltensstudien. Von Puten ist bekannt, daß sie nicht gut sehen können und so mußten wir doch sehr lachen, als wir unseren weiß-schwarzen Welpen nach Hause brachten und mit dem Hündchen erste Spaziergänge vorbei am Putengehege unternahmen. Alle sonst eher ängstlichen Puten kamen an den Zaun gelaufen und schauten auf dieses kleine weiß-schwarze Tierchen und wir glauben, sie dachten, es wäre eine neue Pute auf den Hof gekommen!!!